| Nachschlagebuch |
| Montag, 12. Mai 2008 um 22:54 Uhr | |||||||||
Seite 1 von 4 Quelle:Weinbau und Weinkellerei Kalender 1898Alphabetisch geordnetes Nachschlagebuchüber Weinbau und Kellerwirtschaft.Abfüllen der Weine auf Flaschen. Beim Abfüllen der Weine auf Flaschen ist die grösste und peinlichste Reinlichkeit zu beobachten. Der abzufüllende Wein soll vollständig klar sein. Die Flaschen werden gut gereinigt und wieder ausgetrocknet. Man nehme nur Korke von bester Qualität, die lang und walzenförmig sind, damit der Verschluss möglichst dicht werde. Vor der Verwendung werden dieselben in kochendes Wasser eingelegt, damit sie rein und weich werden. Die so ausgekochten Korke werden durch die Korkmaschine in die Flaschen eingetrieben. Der abgefüllte Wein wird in die Flaschenschränke gelegt; dabei ist darauf zu achten, dass der Flaschenkeller mindestens eine ebenso hohe Temperatur habe wie der Weinlagerkeller. Die Weine sollen auf Flaschen, bevor sie zur Verwendung kommen, mindestens ein Jahr gelagert sein, da sich erst nach dieser Zeit ihre eigentümlichen und vorzüglichen Eigenschaften: Bouquet, Aroma und Feinheit zeigen. Dieselben verbessern sich in der Flasche bis zum achten Jahre, selbstverständlich kommt dabei die Qualität des betreffenden Weines (Lage und Jahrgang) sehr in Betracht. Ein Wein, der in Flaschen abgefüllt werden soll, muss vor allem mit der Gährung ganz fertig sein. Nicht ganz vergohrener Wein wird in der Flasche immer einen Bodensatz ablagern, oder er wird den Kork in die Höhe treiben. Es ist deshalb gut, dass man, bevor ein grösseres Quantum Wein in Flaschen gefüllt wird, zuerst Probenflaschen abzieht und diese einem höheren Wärmegrade, etwa in der Nähe eines geheizten Ofens, längere Zeit aussetzt. Wenn der Wein bei dieser Probe keine Nachgährung mehr eingeht, so kann man ruhig zum Abfüllen schreiten. Wir können solche Probeflaschen auch pasteurisieren, d. h. sie einige Minuten einer Temperatur von 60° C. aussetzen. Wenn sich dabei kein Niederschlag bildet, ist der Wein flaschenreif; nicht reifer Wein wird bei dem Erhitzen trüb werden. Die Flaschenreife des Weines beschleunigt in erster Linie das öftere Abziehen desselben; wenn wir also einen Wein möglichst schnell reif haben wollen, dürfen wir das Umfüllen nicht sparen. Beim Ablassen darf der Wein mit der Luft in Berührung kommen, da dadurch das Ausscheiden der Exractstoffe beschleunigt wird. Zur Beschleunigung der Flaschenreife hat man auch zu künstlichen Mitteln gegriffen, und hat man hauptsächlich das Pasteurisieren (Erhitzen des Weines auf 600 C.) mit Erfolg angewendet. Ablassen des Weines. Das Abziehen des Weines von der Hefe richtet sich nach dem Verlaufe der Gährung. Wenn der Gährraum die richtige Temperatur von 12 bis 14° R. hat, so wird die Nachgährung auch bald beendigt sein und der junge Wein wird eich rasch klären. Wenn die Gährung beendet ist, werden die jungen Weine abgelassen. Weissweine sollte man immer in eingebrannte Fässer (eine Schnitte auf 8 Hektoliter) bringen. Wenn junge Rotweine sich an der Luft trüben, so sollten auch diese beim Ablassen in eingebrannte Fässer (für 10 Hektoliter eine Schnitte) gefüllt werden. Das zweite Ablassen wird gewöhnlich vor Eintritt der Traubenblüte (Mai) und das dritte im Oktober vorgenommen. Beim Ablassen des Weines ist immer die grösste Reinlichkeit zu beobachten. Nach dem ersten Abziehen sind die Fässer vollzuhalten, d. h. sie müssen regelmässig nachgefüllt werden. Man soll den Wein nie zu lange auf der Hefe liegen lassen, da sich die letztere ,hauptsächlich bei leichterem Weine , oft zersetzt und denselben trüb und schlecht macht. Zum Ablassen des Weines wählt man helle, milde Tage. Das erste Ablassen des jungen Weines fällt gewöhnlich in die kalte Jahreszeit. Weissweine kann man auch bei niederer Kellertemperatur ablassen, dagegen muss man bei Rotweinen vorsichtig sein, da diese beim Umfüllen bei zu niederer Temperatur gerne trüb werden und in Folge dessen an Bouquet, Farbe und Geschmack einbüssen. Durch öfteres Ablassen wird der Wein rascher klar. Der deutsche Weinhandel verlangt junge und doch glanz helle Weine und neben häufigem Ablassen der neuen Weine wird in neuerer Zeit zu einem weiteren technischen Hilfsmittel, dem Filtrieren, gegriffen. Als Filtriermateriale werden Asbest, Baumwollfaser und Holzfaser verwendet und sind Filtrierapparate verschiedener Konstruktion im Gebrauch. Abreiben der Reben. Beim Frühjahrsschnitt sollen die Rebstöcke von allen loshängenden Rindenteilen und von Flechten und Moosen befreit werden. Unter den loshängenden Rinden und unter den auf den Rebstöcken und den Rebpfählen sich ansiedelnden Flechten etc. sind zahlreiche Winterpuppen schädlicher Insekten verborgen, die beim Abreiben zerstört werden. - Am besten bewerkstelligt man das Abreiben mit einem Fausthandschuh aus starkem Sackzwilch. Abtropfen des Schwefels. Der beim Einbrennen der Fässer abtropfende Schwefel beschädigt diese und giebt gäbrenden Weinen oft einen unangenehmen Beigeschmack. - Am besten verwendet man eineu lireimdraltt, der unten mit einem kleinen Blechschüsselcben versehen ist, welches die Schwefeltropfen auffängt. Anlage von Weinbergen. Der Weinstock treibt seine vielverzweigten Wurzeln tief in den Boden ein und es ist deshalb bei der Anlage eines Weinberges sehr wichtig, dass der Boden tief gelockert werde. In den meisten Weinbaugegenden ist man an ein regelrechtes. Rigolen der neuanzulengenden Rebflächen gewöhnt,aber es geschieht auch noch vielfach, dass von einer gründlichen Bodenbearbeitung abgesehen wird und für die Rebwürzlinge einfache Löcher in den festen Boden gemacht werden. Ein auf nichtrigoltem Boden angelegter Weinberg wird dem Besitzer nicht soviel Freude machen, denn das Gedeihen der Stöcke wird, auch bei sorgfältigster Pflege, immer mangelhaft sein. Die beste Zeit für die Vornahme der Tieflockerungsarbeit ist der Spätherbst. Wie tief rigolt werden soll, ist überall wieder nach den vorhandenen Bodenverhältnissen festzustellen. Man rigolt für Rebberge auf 60-80 -100 cm Tiefe. In tiefgründigen Böden kann die obere Erdschichte ohne Schaden in die Tiefe gebracht werden, dagegen sollte man bei ärmeren, sandigen Böden darauf sehen, die obere Bodenschicht nicht allzusehr in die Tiefe zu bringen, da es sonst oft jahrelang dauert, bis die Wurzelreben mit ihren Wurzeln die gute Erdschichte erreichen und die Jungpflanzungen in Folge dessen sich nur langsam weiter entwickeln. Das im Winter gut rigolte Grundstück wird bei trockener Frühjahrswitterung aus geebnet. Steine, Wurzel 11 etc. werden abgelesen und entfernt. Nun werden die Stellen für die auszupflanzenden Wurzelreben durch Einstecken kleiner Pfählchen bezeichnet. Reben pflanzt man immer in Reihen, entweder im Quadrat, oder im Dreieck. Beim Dreieckpflanzen kommt ein Stock der zweiten Reihe immer zwischen zwei Stöcke der ersten Reihe in die Mitte zu stehen. Man nennt diese Methode auch Verbandpflanzen. Die Reihen sollen, wenn möglich, die Richtung von Nord nach Süd haben, damit die Sonne gut eindringen kann. Die Entfernung der Reihen und der Abstand der Stöcke in den Reihen richtet sich nach Sorte und Gegend; vielfach wird aber der Fehler gemacht, dass zu eng gepflanzt wird. Die Reihen und die Stöcke in den Reihen müssen soweit von einander entfernt sein, dass Luft und Licht in der stärksten Vegetationszeit der Reben bis auf den Boden eindringen können. Die beste zeit zum Anpflanzen der Wurzelreben auf (las anzulegende Grundstück ist der 'Monat April. Die Wurzelreben sollen erst unmittelbar vor dem Pflanzen aus der Rebschule genommen werden, da sonst. die feinen Saugwurzeln welk werden. Die Triebe der Wurzelreben schneidet man ganz, oder doch bis auf das unterste Auge zurück. Man hebt genügend tiefe Pflanzlöcher aus und stellt die Wurzelreben in schräger Richtung in dieselben ein, während man mit der einen Rand mit der Pflanzkelle oder mit einem abgerundeten Brettchen das Pflanzloch wieder mit Erde anfüllt. Das obere Ende der Wurzelreben soll 1-9 cm mit Erde überdeckt sein, damit der Kopf derselben nicht austrocknet. Gut ist es, wenn man auf die Pflanzstelle eine Hand voll feuchtes Moos legt, damit dieses das Austrocknen der, den Topf der eingesetzten Rebe umgebenden Erde, verhindert. Die Absteckpfälchen entfernt man nicht, da diese die Sandstelle des neugepflanzten Rebstockes bezeichnen, was auch bei nachfolgender Hack- und Jätarbeit sehr zu statten kommt. Sorgfältig gepflanzte, gute Wurzelreben bleiben beim direkten 'Umpflanzen von der Rebschule in den Neinbei,} selten ans, während bei weither bezogenen Reben, die man, wenn sie bei ungünstiger Witterung eintreffen, vor denn Einpflanzen oft noch längere Zeit eingeschlagen halten iruiss, das Wachstumresultat oft sehr unbefriedigend ist. Darum sollte jeder Rebbauer auch eine kleine Rebschule halten. Die Anlage von Rebbergen mit unbewurzelten Schnitthölzern ist sehr unsicher und gewöhnlich werden solche Neuanlagen sehr lückenhaft. Schnitthölzer legt man gewöhnlich drei in ein Pflanzloch. Im ersten Sommer nach der Pflanzung hat man für die Reinhaltung des Bodens von Unkraut zu sorgen. Beim ersten Schnitt im kommenden Frühjahr schneidet man am besten alle bis auf den Kopf zurück. Im zweiten Jahre entwickeln sich die jungen Rebstöcke schon kräftiger. Aus dem Kopfe der ganz zurückgeschnittenen Pflanzen werden sich jetzt eine grössere Anzahl von Trieben entwickeln, von denen man 2-3 der kräftigsten stehen lässt, die übrigen aber glatt am Kopfe ausbricht. Die Pflanzung muss von Unkraut reingehalten werden und bedarf jetzt schon einer entsprechenden Düngung (Stallmist oder Komposterde), die auch im Sommer, also während der Vegetationszeit, gegeben werden kann. Im dritten Jahre werden am Kopf zwei Zapfen von je 2-3 Augen angeschnitten, aus welchen dann schon kräftige Ruten austreiben, die je nach der in der betreffenden Rebengegend üblichen Methode, an Pfählen, Querlatten oder Drahtzügen aufgeheftet werden müssen. Im dritten Jahre soll die Junganlage ebenfalls eine kräftige Düngung erhalten und giebt man am besten im Februar oder März per Ar 20 Pfd. Oelkuchenmehl oder 5 Pfund Chilisalpeter. Einzelne kräftige Stöcke werden schon Trauben ansetzen. Im vierten Jahre kann in normal entwickelten, gut gepflegten Junganlagen schon Tragholz angeschnitten werden und jetzt sind die Rebstöcke bezüglich des Baues, zu behandeln, wie diejenigen in alten Rebanlagen. Beim Schnitte der jungen Rebanlagen ist immer darauf zu achten, dass die Rebe möglichst kurz bleibe. Durch falschen Schnitt rasch in die Höhe gezogene Reben veralten sehr bald und lassen auch in der Triebkraft früh nach. Man vergesse ja nicht, die jungen Rebanlagen gegen die Blattfallkrankheit mit Kupferkalkmischung zu bespritzen, da dieser gefährliche Pilz junge Rebstücke gewöhnlich sehr früh und sehr stark befällt. Anzucht von Reben aus Samen. Die gebräuchlichste Vermehrungsart des Weinstocks ist die durch Stecklinge, da nur dadurch die vorhandenen Sorten konstant zu erhalten sind. Die natürliche Vermehrung wäre die durch Samen, und man kann wohl mit Recht behaupten, dass durch die ,jahrhundertelange Weiterkultur des Rebstocks durch Stecklinge die Pflanze degeneriert und verweichlicht wurde. Diesem Umstande ist wohl auch zuzuschreiben, dass die Rebe jetzt so vielen Krankheiten unterworfen ist. Es wäre jedenfalls von grossem Vorteil, wenn der Anzucht der Reben aus Samen wieder mehr Aufmerksamkeit zugewendet würde. Vielleicht würden neue, aus Samen erzogene Rebsorten widerstandsfähiger gegen Krankheiten und auch gegen Witterungseinflüsse sein. Von verschiedenen Versuchsanstalten sind schon Versuche mit Rebensämlingszucht eingeleitet und es wäre zu wünschen, dass auch die Weinbergsbesitzer in dieser Richtung vorgingen.
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